Ein Spiel- und Erlebnisraum für Menschen auf der Suche nach Frieden
Kreativräume im Hofgut Nassanger
Es gibt Orte, an denen Frieden nicht nur diskutiert, sondern gelebt und erforscht wird. Das Hofgut Nassanger ist so ein Ort: ein lebendiges Labor dafür, wie Frieden in Gemeinschaft tatsächlich gelingen kann, nicht als Theorie, sondern als gemeinsame Erfahrung. Ich durfte ein Teil davon sein und verschiedene Kreativräume gestalten. Dabei entstand ein stiller, oft überraschend ehrlicher Zugang zu einer Frage: Wie fühlt sich Frieden an – in der Kommunikation, in Gemeinschaft und in der gemeinsamen Vision? Gerade eine Vision, etwas, das noch nicht da ist, lässt sich hervorragend malend manifestieren. So entstand die Idee, ergänzend zum Gruppenprozess einen kreativen Raum anzubieten, in dem die Teilnehmenden ihre Friedensvision in verkörperter Kreativität ausdrücken konnten.
Frieden entsteht, wenn wir auf die Signale unseres Körpers hören
Kreativräume als gefühlte Friedenserfahrung
Klang im Innenhof
Wenn es darum geht, wie Friedensfähigkeit entsteht und welche Schritte dorthin führen, sind viele Menschen überfordert, sobald sie sich der Sache mit dem Verstand nähern. Zu viele Schritte wären nötig und überhaupt: Wie geht Frieden eigentlich? Keiner weiß es so genau. Doch, einer weiß es sehr wohl. Unser Körper: Er sendet uns unaufhörlich Signale, wie es friedlicher geht: Auf der Ebene der Zellen, in unserer mentalen Verfassung und im Umgang mit anderen Menschen.
Ein Beispiel: Wenn wir Menschen treffen, mit denen ein wertvoller, nährender Austausch entsteht, fühlen wir uns wohl und im Frieden. Die Energie passt zueinander. Der Körper reagiert positiv auf diese Übereinstimmung, weil er von Natur aus Kohärenz sucht, also Stimmigkeit zwischen uns und unserer Umgebung.
Intuitives Malen im Innenhof
Impulsarbeit Intuitives Malen
Beim Intuitiven Malen können wir bei großen Fragen wie „Wie geht Frieden?“ oder besser: „Wie fühlt sich Frieden an?“ unsere Körperimpulse als Hilfe nehmen. Wenn wir im Malprozess ganz im Hier und Jetzt ankommen und einfach aus dem Moment heraus agieren und spüren, kann sich eine Antwort wie von selbst zeigen, das geht oft ganz leicht, fast nebenbei. Wir richten uns innerlich auf Frieden aus und der Körper hilft dabei die passenden Impulse dazu zu finden. Es braucht kein Verständnis dafür, was genau passiert, nur die Offenheit, dass das, was gerade geschieht, richtig ist. Schon der Malprozess selbst bringt oft ein Stück inneren Frieden mit sich, weil sich beim Malen Spannungen lösen. Häufig findet dabei auch eine innere Auseinandersetzung mit dem Thema statt, die der Verstand nicht begreifen muss. Durch das Betrachten und Malen ordnen sich die Dinge ohne dass wir sie gedanklich verstehen müssen.
Der Innenhof wird zum kreativen Erlebnisraum für gelebten Frieden
Kreativraum: Was ist deine Vision von Frieden?
Die Idee: Den Innenhof, als geschlossen geschützten Kreativraum nutzbar machen
Der runde Innenhof des Hofguts eignet sich wunderbar für einen weitläufigen und zugleich geschützten Kreativraum, in dem jeder Einzelne genug eigenen Freiraum zur Entfaltung hat. Um unterschiedlichen Formen kreativen Ausdrucks gerecht zu werden, bot ich verschiedene Kreativ Stationen an: einen Ort zum Intuitiven Malen, einen Ort mit Yogamatte, an dem sich die Teilnehmer frei nach der eigenen Facon bewegen und spüren konnten, was sich für sie gerade friedlich anfühlt, sowie eine Station mit Klängen mit Gitarre, Hang, mittelalterliche Harfe, Flöte und Stimme. Dazu kam ein Flipchart, an dem zum Thema gebrainstormt werden konnte. Jede Station war auf ihre eigene Weise ein Zugang zu derselben großen Frage: Wie fühlt sich Frieden an?
Ablauf
Zu Beginn meditierten wir gemeinsam eine Friedensmeditation, aus der heraus ich zu Körper- und Loslassübungen überleitete. Es war ein besonderer Mittwoch: Sonnenfinsternis und Neumond fielen zusammen, und die Energie dieses Tages eignete sich besonders gut dafür, loszulassen, was wir nicht mehr brauchen, und es über die Verbindung mit der Erde in den Boden abzugeben. Danach verbanden wir uns bewusst mit dem Körper und schärften unsere Achtsamkeit für die Körperimpulse, sodass sich anschließend jeder frei und kreativ im Raum bewegen und mit Klang, Körper, Farbe und mehr frei ausdrücken konnte.
Die Erfahrung
Nach einer Weile, in der sich alle ganz ihren eigenen Impulsen und ihrer Kreativität hingeben durften, wurde es still. Die Klänge des Kreativraums entfalteten sich, und im gemeinsamen Tun und Schaffen wuchs eine friedliche Stimmung, die den ganzen Raum trug.
Diese Stimmungsqualität schienen die massiven, alten Mauern des Nassangerhofs zu halten und zu bewahren, selbst wenn immer wieder Menschen durch das Tor hinzukamen oder auch gingen. Jeder folgte dabei dem eigenen Rhythmus und war dabei, solange es sich stimmig anfühlte. Und genau daraus wuchs eine geradezu magische, tragende Friedensenergie, die den geschützten Innenhof ganz von selbst erfüllte.
Achtsame Kommunikation im Miteinander
Kreativraum: Wie kann Frieden im Miteinander gelingen?
Ein Raum, der Ursprünglichkeit und ungefilterte Lebendigkeit bis hin zum „Übermut“ erlaubt. Einfach den Impulsen folgen, egal was schon da ist.
Ein Raum, in dem Achtsamkeit, für das was schon da ist, eine höhere Priorität hat. Bis wohin ist mein Impuls stimmig. Wo fangen die Grenzen der anderen an …
Gehalten wurde der Raum von Jeannine und mir. Wir hatten an Materialien Woodies und feinere Buntstifte zur Verfügung. So war für jeden eine passende Ausdrucksform dabei. In dieser Gruppenmalübung erforschen die Teilnehmenden unterschiedliche Kommunikationsqualitäten. Dazu liegen zwei verschiedene Papiere auf dem Tisch – zwei „Räume“, die jeweils eine andere Kommunikationsqualität verkörpern. Der Impuls kommt von innen und bleibt derselbe, doch die Teilnehmenden bringen ihn mit unterschiedlichen Haltungen zum Ausdruck.
Erster Raum: „Der Mutraum“ (in Form von Papier)
Wie fühlt es sich an, dem reinen Impuls Ausdruck zu verleihen und dabei ein wenig Übermut zuzulassen, diesem Impuls mit einer gewissen ungezügelten Lebendigkeit nachzugehen, ohne genau darauf zu achten, was schon da ist?
Zweiter Raum: „Der Achtsamkeitsraum“ (in Form von Papier)
Wie fühlt es sich dagegen an, die eigenen Impulse in den Raum zu geben und dabei besonders achtsam zu werden für das, was bereits da ist und für das malende Gegenüber? Wo sind Grenzen zu spüren, wo ist es stimmig, in den entstehenden Raum hinein- bzw. weiterzumalen, wo nicht? In diesem nonverbalen Forschungsraum begegnen sich die Teilnehmenden im visuellen Ausdruck und teilen im Anschluss ihre Erfahrungen.
Diese Übung ist Teil meiner Friedensarbeit mit Intuitivem Malen. Wir experimentieren mit visuellem Scribbeln und kindlichem Malen, um Verhaltensmuster und Kommunikationsqualitäten aus einer anderen Perspektive spüren und im wahrsten Sinne des Wortes anschauen zu können.
Die Erfahrung
Die Erfahrung ist für jeden Persönlichkeitstyp anders. Oft wird das Ungezügelte vom Verstand her als weniger positiv bewertet. Dabei zeigt sich im Bild eine freie Lebendigkeit, die durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Wenn wir uns umschauen und achtsamer werden, können wir gemeinsam ergänzen und aufbauen. Und wenn wir unserem inneren Impuls freien Lauf lassen, entsteht daraus eine große energetische Kraft – eine Kraft, die wir schätzen und zur richtigen Zeit auch bewusst nutzen können.
Der Innenhof eignet sich wunderbar als Galerierundweg
Ein Raum für Kunst
Eine weitere Idee, Kunst in den Nassangerhof zu bringen, war eine Freiluftausstellung im Innenhof, die ich mit dem Künstler Steffen Orlowski (Stellarowski) realisiert habe. So verwandelte sich der historische Innenhof für einen Moment in einen inspirierenden Kunstraum, der zum Verweilen und zur Inspiration einlud.









